Bronski & Grünberg: Mit viel Mut zum lustigsten Off-Theater Wiens

Das Bronski & ­Grünberg im neunten Wiener Gemeindebezirk ist eines der spannendsten Off-Komödientheater im deutschsprachigen Raum. Der Mann dahinter: Publikumsliebling Alexander Pschill.

von Atha Athanasiadis, 12. November 2020

Bronski & Grünberg: Mit viel Mut zum lustigsten Off-Theater Wiens
Alexander Pschill auf der Bühne des Bronski. Im Bühnenbild von „Onkel Wanja“ krabbelt sein Sohn, die Prinzessin im Hintergrund ist seine Tochter. Kaja Dymnicki (li.) ist seine Frau und macht das Bühnenbild. Julia Edtmeier (re.) schreibt und spielt. Foto: Peter Mayr

Wer seine Ensemble-­Anstellung sausen lässt, um ein eigenes Theater zu ­machen, ist: a) irre mutig, b) beseelt oder c) beides und Alexander Pschill. Unser Tipp: Nehmen Sie c. Entspannt sitzt Pschill, Josefstadt-Liebling und ehemaliger TV-Hundeführer von Schäfer Rex, auf einem Sessel vor dem Bronski & Grünberg in der Müllnergasse 2 im neunten Wiener Bezirk. Sein Sohn krabbelt auf ihn zu, und er hebt ihn hoch. Am Schoß von Bühnenbildnerin Kaja Dymnicki sitzt die Tochter der beiden. Julia Edtmeier, Schauspie­lerin und Sängerin – die Dritte am Tisch –, hat einen Block vor sich und schaut einem Pensionisten zu, der gerade einparkt. Regiebesprechung.

Alexander Pschill wird erstmals eine Hauptrolle in seinem eigenen Theater übernehmen. „Onkel Wanja“ von Tschechow. Um 1900 hat Rainer Maria Rilke das Stück ins Deutsche übersetzt. Nachdem die Übersetzung aber ver­loren ging, hat Pschill mit seinem Team ­„Onkel Wanja“ zu einer Sitcom umgearbeitet. Das ist natürlich Unsinn, aber so und vor allem besser geht der Humor der drei TheatermacherInnen. 

Ein bisserl was geht noch. Hinter der Tür verbirgt sich die Damentoilette im Bronski. Foto: Peter Mayr

Bronski & Grünberg: Theater mit Leidenschaft und Liebe

Hier in der Müllnergasse ist der Kraftplatz von Publikumsliebling Alexander Pschill: das Bronski & Grünberg. Ein Theater mit nur 80 Sitzplätzen und Stücken, die das genannte Trio großteils selber schreibt und pro­duziert. Es ist Theatermachen wie damals: ­südländisch, improvisiert. Und wer jetzt das Klischee von „aus der Not eine Tugend machen“ anwenden will, liegt falsch. Denn hier am Bronski & Grünberg wird präziser gearbeitet, jeder Raum intensiver genutzt als in größeren Häusern – und dies nicht, weil weniger davon zur Verfügung steht, sondern weil hier Leidenschaft und Liebe zum Theater gelebt wird. Dazu später mehr.

Das Bronski liegt im Wiener Stadtteil Rossau, früher ein Fischerdorf, wo die Pferde weideten, die die Donauschiffe flussaufwärts zogen. Das war ganz, ganz ­früher. Irgendwann dann während der Ersten ­Türkenbelagerung brannte das Dorf nieder. Weniger ganz weit früher gab es in der Gasse eine Synagoge, die wurde niedergebrannt, das war 1938. Um die Ecke ist das Palais Liechtenstein, und die Strudelhofstiege ist auch nicht weit. Und der versteckte jüdische Friedhof im Garten des Seniorenheims in der Seegasse ist eine Sehenswürdigkeit für historische Feinspitze.

Das Buffet des Bronski. Foto: Peter Mayr

Sprung in die freie Szene

„Wir haben lange einen Platz gesucht, an dem wir unseren Traum vom eigenen Theater verwirklichen konnten“, sagt Alexander Pschill. Das ist Kaja, ­Julia und ihm gelungen. 15 Jahre lang war das Theater in der Josefstadt Pschills Bühnen-­Arbeitgeber: „Ich verdanke dem Herbert Föttinger sehr, sehr viel und bin ihm unendlich dankbar.“ Dann beschloss er den Sprung in die freie Szene.

Und dort gibt der Chef jetzt oft an der Kassa selbst die Tickets für Produktionen aus, die das Bronski zum spannendsten Off-Komödientheater im deutschsprachigen Raum gemacht haben. Ein Ort, an dem wie an keinem anderen die britische Tradition von Unterhaltung auf die winzige Bühne gebracht wird: präzise, schnell und mit einer Liebe zum Detail, die in ähnlichen Etablissements längst für den billigen Lacher geopfert wurde. Das Erfolgsrezept: Große Stoffe der Theaterliteratur werden zu Komödien veredelt.

Die Kritik und viele, viele Schauspielkollegen lieben das Bronski, und darum spielen sie dort um einen Bruchteil ihrer sonstigen Gagen, so sie Zeit haben. Lange gab es keine Subventionen, jetzt ein bisschen was. Pschill und sein Team empfehlen sich durch ihren Erfolg längst für ein ­größeres Theater. London und Co. zeigen, dass ­dafür Platz wäre.

Zur Person: Alexander Pschill

Alter: 50 Jahre
Er war das Herrchen von Rex und jahrelang an der Josefstadt. Pschill absolvierte die Amerikanische Schule in Wien und dann das Schauspielkonservatorium des Cornish College of the Arts in Seattle/Washington. Gemeinsam mit Kaja Dymnicki und Julia Edtmeier gründete er das Bronski & Grünberg. 

Bronski & Grünberg

Das kleine Theater ist in der Müllnergasse 2 zu finden, einer Seitengasse der Porzellangasse im 9. Bezirk in Wien. Es hat nur 80 Plätze, und doch gilt, angefangen von der Deko, die Regel „Je mehr, desto besser“, wie Alexander Pschill selber sagt.

bronski-gruenberg.at

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