Sechs Fragen an den Regisseur: Wie macht man Kindertheater?

Man kann Kindern bei Theateraufführungen mehr zumuten, als man denkt, sagt Regisseur Felix Metzner. Shakespeare eignet sich zum Beispiel besonders gut für Kinder.

von Julia Schilly, 13. Oktober 2020

Sechs Fragen an den Regisseur: Wie macht man Kindertheater?
Felix Metzner kann Bühnenbild, Videodesign und Regie. Seit Jahren arbeitet er erfolgreich am Theater der Jugend, ist aber auch am Burgtheater tätig. Für die BÜHNE posierte er auf der Wiener Neubaugassse, unweit des Theater der Jugend. Foto: Atha Athanasiadis

Wie bekommt man die Aufmerksamkeit von Kindern? Wie vermittelt man Kindern schwierige Themen im Theater? Und wie unbarmherzig sind Kinder als Publikum? Kaum jemand ist besser geeignet darüber Auskunft zu geben als Regisseur Felix Metzner. Er inszeniert seit Jahren am Theater der Jugend in Wien. In dieser Woche hat zum Beispiel „Das große Shakespeare-Abenteuer“ Premiere, bei dem er Regie führt. Der 36-Jährige ist aber auch im Burgtheater als Regieassistent tätig, zuletzt in Franzobels Adaptierung von „Der Leichenverbrenner“.

BÜHNE: Eignet sich Shakespeare für Kinder?

Metzner: Das würde ich schon sagen! Das sind ja sehr zeitlose Themen und er transportiert sie so, dass für alle Altersgruppen etwas dabei ist. Er erschuf Ebenen und Figuren, die sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene spannend sind.

Schreien, freuen, langweilen

Wer ist kritischer: Kinder oder Erwachsene?

Auf jedenfall Kinder. Die sind nicht so höflich und zeigen unmittelbar ihre Meinung und ihre Emotionen: Freude, Angst oder Langeweile. Und sie schreien auch und rufen dazwischen.

Wie hält man das Interesse von Kindern im Theater?

Wichtig ist zunächst einmal eine gute Geschichte. Beim Theater ist sie für Kinder vielleicht wichtiger als für viele Erwachsene. Die Szenen müssen zudem ein gewisses Tempo haben. Das muss nicht immer Geschwindigkeit bedeuten. Es kann auch sein, dass man sich bewusst für einen Moment Zeit nimmt. Und die Konflikte und die Figuren müssen klar hervortreten, damit sich die Kinder gut mit ihnen identifizieren können.

Gute Geschichten und klare Charaktere

Ist Theater für Kinder einfacher zu inszenieren?

Das würde ich nicht sagen. Denn man ist beim Theater für Kinder mit anderen Aspekten konfrontiert. Kinder haben oft eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne, sind kritischer in ihrer unmittelbaren Äußerung. Die Inszenierung muss gut durchgebaut und strukturiert sein, damit ihnen nicht langweilig wird.

„Man kann Kindern im Theater mehr zumuten, als man oft denkt.“

Felix Metzner

Wurden Sie von den Kindern schon einmal überrascht, wie sehr sie bei Aufführungen mitfiebern?

Ich bin oft überrascht, wie gut Kinder Konstellationen gleich verstehen. Die Dramaturgen zweifeln vielleicht noch, ob zum Beispiel Sechsjährige ein bestimmtes Thema oder Dynamiken verstehen. Aber da sind die Kinder meistens viel wacher als man denkt. Das gilt auch für Erwachsenenthemen. Wir haben zum Beispiel die „Weiße Rose“ mal auf die Bühne gebracht. Da waren die Kinder auch sehr nah dran. Ich glaube, man kann Kindern im Theater mehr zumuten, als man oft denkt.

Apropos zumutbar: Wie geht man beim Theater für Kinder mit schweren Themen wie dem Tod um?

Gerade wenn es den Kindern nahestehende Figuren sind und Vater- oder Mutterfiguren oder etwa auch Tiere sterben, dann wird es schwierig. Ich denke da zum Beispiel an das Pferd in der Unendlichen Geschichte. Wir haben im Theater der Jugend Theaterpädagoginnen, die bei der Umsetzung mitarbeiten. Zudem gibt es auch oft Gespräche vor oder nach Aufführungen.

Zur Person: Felix Metzner

Alter 36
Wohnort: Wien
Er kommt aus Nürnberg. Metzner arbeitet als Regisseur, Bühnenbildner und Videodesigner seit Jahren für das Theater der Jugend. Zudem inszeniert er am Wiener Burgtheater.

Karten und Termine

„Das große Shakespeare-Abenteuer“ (ab 6 Jahren), 9. Oktober bis 21. November 

Theater der Jugend

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