Florian Teichtmeister: „Rituale am Theater engen mich ein“

Theater sind Orte des Aberglaubens und der Rituale. Schauspieler Florian Teichtmeister ist davor gefeit. Seine wichtigste Vorbereitung vor einer Premiere: Duschen.

von Julia Schilly, 28. September 2020

Florian Teichtmeister: „Rituale am Theater engen mich ein“
Schauspieler Florian Teichtmeister im Böhmischen Prater

Ausspucken, nicht pfeifen oder essen und schon gar nicht „Macbeth“ aussprechen: Theater sind Orte des Aberglaubens und der Rituale. Die Bühne befragt in dieser Serie Theaterleute, woran sie glauben, was sie sicherheitshalber befolgen und worüber sie die Augen verdrehen. Schauspieler Florian Teichtmeister ist gegen das Irrationale gefeit. Seine wichtigste Vorbereitung vor einer Premiere: Duschen.

Dreimal ausspucken

Das Schauspiel ist eine der ältesten Künste der Welt. Viele Theaterhäuser sind zu Recht stolz auf Traditionen, die Jahrhunderte zurückreichen. Da verfestigen sich schon mal Rituale, allerlei Elemente des Aberglaubens oder das Festhalten an einem Talisman – sogar bei weltoffenen Menschen. Ein kleiner Auszug aus gängigen Ritualen:

  • Dreimal ausspucken vor einem Theater
  • Keine Textbücher auf der Bühne liegen lassen
  • Keine echten Spiegel auf der Bühne
  • Nicht den eigenen Schmuck oder Hut tragen
  • Niemals „Viel Glück!“ wünschen, sondern „Toi, toi, toi!“
  • Nach der Generalprobe niemals klatschen
  • Der letzte Satz des Stücks sollte erst zur Premiere ausgesprochen werden
„Der charakterlich schönere Bruder des großen Praters“, Florian Teichtmeister über den Böhmischen Prater. Foto: Christof Wagner

Fernseh- und Theaterschauspieler Florian Teichtmeister ist pragmatisch. Zu viele Rituale würden nur zusätzlichen Stress erzeugen, wie er bei einem Spaziergang im Böhmischen Prater erzählt.

Abseits von Text und Dramaturgie: Wie bereiten Sie sich auf Rollen vor?

Textlernen kommt bei mir sowieso erst am Schluss oder nebenher. Spazieren gehen. Musik hören. Eine Entscheidung treffen und dann zwei Tage lang nicht mehr darüber nachdenken.

„Ich habe tatsächlich mehr Angst davor, dass mich die Rituale einengen.“

Florian Teichtmeister über Rituale und Aberglaube am Theater.

Was machen Sie vor einer Premiere?

Der Ablauf ist bei mir sehr einfach: Duschen, ins Theater gehen – und dann geht es los. Es gibt dazwischen recht wenig, außer dreimal vorm Theater ausspucken, wie es sich gehört. Aber ich habe tatsächlich mehr Angst davor, dass mich die Rituale einengen und ich mehr Panik bekomme, wenn ich etwas vergesse. Also lasse ich es gleich.

Haben Sie einen Glücksbringer?

Nein.

Jede Opernvorstellung eine Premiere

Sie waren lange Ensemblemitglied am Theater an der Josefstadt, seit der letzten Saison sind Sie am Burgtheater. Aber auch mit der Oper und anderen Häusern haben Sie Erfahrung gesammelt. Gibt es an den unterschiedlichen Häusern unterschiedliche Rituale?

Ja, es gibt große Unterschiede zwischen den Sparten. Zwischen Opersängern und Schauspielern gibt es einen Unterschied in den Ritualen. In der Oper wird vor jeder Vorstellung „Toi, toi, toi!“ gewünscht. Was bei uns Schauspielern nicht mehr so oft passiert. Mich gemahnt jede Opernvorstellung an eine Premiere. Ansonsten: Der Aberglaube ist überall.

„Man hat nicht mehr, als man mitbringt. Und das muss genügen.“

Florian Teichtmeister über tröstliche Erkenntnisse.

Was machen Sie nach einer Vorstellung, um runterzukommen?

Zu Fuß nach Hause gehen. Ansonsten bin ich nach einer Vorstellung immer sehr leer. Erschöpft kann ich das gar nicht nennen, ich kann auch meistens nicht gut schlafen. Und ich glaube, ich bin keine gute Tischgesellschaft nach der einen oder anderen Vorstellung.

Und wie laden Sie die Batterien wieder auf?

Wenn ich eine Erfahrung gemacht habe, die in den letzten Jahren sehr tröstlich und hilfreich war: Man hat nicht mehr, als man mitbringt. Und das muss genügen.

Nächster Termin mit Florian Teichtmeister am Burgtheater
„Die Edda“, 18. Oktober, 18 Uhr

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