„Das Konzert“: Cervik und Föttinger im Charakterkampf

Seitensprung und Gegenschlag: Das Duo Herbert Föttinger und Sandra Cervik steht ab 15. Oktober in der Komödie „Das Konzert“ auf der Bühne des Josefstadt-Theaters.

von Theresa Steininger, 15. Oktober 2020

„Das Konzert“: Cervik und Föttinger im Charakterkampf
Die Frau, die nicht mehr ­ertragen will: Sandra Cervik spielt die listige Gattin, die ihre ­gemarterte Seele offenbart. Foto: Theater in der Josefstadt/Jan Frankl

Eine unscheinbare Geste, ein flüchtiger Blick – oft sind sie es, die Vertrautheit zwischen Ehepartnern vermitteln. Wenn Schauspielerpaare gemeinsam auf der Bühne stehen, geht davon häufig eine besondere Aura aus. „Hier wird eine Form der unausgesprochenen Intimität erzeugt, die sich andere erst erarbeiten müssen – und die Nicht-Ehepartnern selten gelingt“, erklärt Herbert Föttinger.

„Vieles, was man zwischen den Zeilen spielt, muss nicht mehr diskutiert werden.“

Herbert Föttinger

Die Probe aufs Exempel macht er wieder einmal, wenn am Theater in der Josefstadt Hermann Bahrs „Das Konzert“ zur Premiere kommt. Föttinger spielt Gustav Heink, einen Dirigenten und Pianisten, der Klavierschülerinnen gerne in seine Berghütte zu einem erlogenen Konzert mitnimmt; seine Frau Sandra Cervik verkörpert dessen Gattin Marie, die die Techtelmechtel bisher duldsam ertragen hat, doch nun zu einem Gegenschlag ausholt. Zuletzt stand sie in Thomas Bernhards „Der deutsche Mittagstisch“ auf der Bühne.

Föttinger sieht in der Zusammenarbeit mit seiner Frau zahlreiche ­Vorteile. „Vieles, was man zwischen den Zeilen spielt, muss nicht mehr diskutiert werden, weil es einfach stattfindet. Man kann eine gewisse Vertrautheit zeigen, die man nicht einfach mit einem anderen Partner ­erreicht“, ist er überzeugt.

Auch das Publikum spüre, dass diese Menschen zusammengehören. Auf die Frage, wie sehr dabei Privat- und Berufsleben verschwimmen, gibt Föttinger sich zugeknöpft. Mit seiner Frau auf der Bühne zu stehen „hat schon öfter sehr gut funktioniert. Ich finde es gut, wenn wir das von Zeit zu Zeit machen.“ Und die Rolle passe zu Cervik. „Ich weiß nur nicht, ob sie so lange mitgemacht hätte wie Frau Heink“, sagt Föttinger schmunzelnd.

Der Dirigent als Lügner: Herbert Föttinger spielt den „müden Charakter“, der mit seinen geheimen Affären „noch ­einmal ein wilder Kerl sein will“. Foto: Theater in der Josefstadt/Jan Frankl

Aufrechterhalten von männlichen Prinzipien

Aber auch Marie Heink reicht es schlussendlich, und sie geht mit einer wirkungsvollen List vor: Gemeinsam mit dem gehörnten ­Ehemann der ­ Geliebten ihres Gemahls fährt sie in besagte Berghütte und bietet Gustav Heink schlichtweg einen Tausch der jeweiligen Partner an. Ihr Mann ­ erkennt, was er an Marie hat, gleichzeitig wird deren gemarterte Seele offengelegt.

Föttinger schätzt an seiner Rolle im „Konzert“, das er „sprachlich fantastisch“ und „eine besonders gute Komödie“ nennt, „den Kampf eines müden Charakters mit dem Alter und der eigenen Vergänglichkeit. Heink möchte noch einmal ein wilder Kerl sein, aber seine Zeit ist längst vorbei. Dieses scheinbare Aufrechterhalten von männlichen Prinzipien ist das große Problem alternder Männer – sonst würden sie nicht die Haare von links nach rechts scheiteln und mit 65 noch im Fitnesscenter eine gute Figur machen wollen.“ 

Altmodisches Frauenbild

Gerade dieses Sträuben gegen das Altern werde bei Gustav Heink „sehr humorvoll“ umgesetzt. „Das Wissen um die eigenen Schwächen und seine Fähigkeit, darüber auch zu lachen, wirken sehr befreiend.“

In Sachen Inszenierung begibt sich Föttinger – wie zuletzt bei „Professor Bernhardi“, der „Reise der Verlorenen“ und „Jacobowsky und der Oberst“ – in die Hände von Janusz Kica, den Föttinger einen Regisseur nennt, „der genau auf Wort und Sprache achtet und bei dem man sich als Schauspieler besonders gut aufgehoben fühlt. Ich höre sehr auf ihn, wir begegnen uns auf Augenhöhe, und es macht Spaß.“

Wegen des überholten Frauenbilds im „Konzert“, das am Ende einen Rückfall des nur teilweise geläuterten Heink in seine alten Gewohnheiten andeutet, sei ein Regisseur durchaus gefordert: „Natürlich ist das Stück patriarchalisch gedacht, man könnte ihm Frauenfeindlichkeit unterstellen. Das muss die Regie berücksichtigen und entsprechend betreuen.“ 

Wie Kica das löse? „Ich kann nur sagen, es wird zwei Schlüsse geben“, verrät Föttinger. „Die Zuschauer können sich den aussuchen, der ihnen lieber ist.“

Zur Person: Sandra Cervik

Alter: 54 Jahre
Wohnort: Wien 
Engagement: Seit 1999 ist sie Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt, mit ihrem Mann spielte sie unter anderem schon in den Produktionen „Die Reise der Verlorenen“, „Das weite Land“ und ­ „Reigen“. In dieser Saison ist sie auch noch im ­„Deutschen Mittagstisch“ in der Regie von Claus ­Peymann zu sehen.

Zur Person: Herbert Föttinger

Alter: 59 Jahre 
Wohnort: Wien 
Engagement: Als Schauspieler ist er seit 1994 am Theater in der Josefstadt, seit 2006 ist er Direktor des ­Hauses, an dem er auch inszeniert. Derzeit spielt er in „Professor ­Bernhardi“ und „Jacobowsky und der Oberst“. Mit Sandra Cervik ist ­Herbert Föttinger seit 1997 verheiratet, sie haben einen Sohn.

Termine und Karten

Was: „Das Konzert“
Wann: ab 15. Oktober, 19.30 Uhr
josefstadt.org