Michael Dangl: „Die Satire hat es schwer gegen die Wirklichkeit“

Mit Daniel Glattauers „Die Liebe Geld“ steht Michael Dangl wieder auf der Bühne der Wiener Kammerspiele. In der Satire stehen sich allmächtige Banker und ohnmächtige Kunden gegenüber.

von Julia Schilly, 25. September 2020

Michael Dangl: „Die Satire hat es schwer gegen die Wirklichkeit“
Michael Dangl ist ein österreichischer Schauspieler und Autor. Seit 1998 ist er Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt in Wien. Foto: Theater in der Josefstadt/Jan Frankl

Der Schnitt war hart: Am Vormittag war noch die Generalprobe des Stücks „Das Geheimnis einer Unbekannten“, am Abend dann der Lockdown. „Man fällt in ein absolutes Loch“, sagt Michael Dangl. Seit 1998 ist er Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt. Mehr als 70 Rollen hat er in mehr als 3000 Vorstellungen verkörpert.

Daniel Glattauers Satire auf Banken

Am 24. September ging es nun beruflich wieder richtig los: Daniel Glattauers „Die Liebe Geld“ feierte in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt Premiere. „Eine brillante Satire auf die Bank im Speziellen und im Allgemeinen auf die kapitalistische Welt, in der wir leben und in der wir gefangen sind – ob wir wollen oder nicht“, sagt Dangl.

Das Stück beginnt mit einer Situation, die fast jeder schon einmal erlebt hat: Der Protagonist geht zum Bankomat und versucht abzuheben. Obwohl das Konto im Plus ist, funktioniert die Karte nicht. „Daniel Glattauer schraubt das dann in Kapriolen, die selbst die Wirklichkeit noch übertreffen. Und das ist heute schon viel. Die Satire hat es ja heutzutage sehr schwer. Wir leben in einer Wirklichkeit, die zugespitzter und bösartiger nicht sein kann“, ergänzt er.

„Im Theater arbeiten wir daran, dass das, was den Menschen wirklich aus macht – das Seelische, das Künstlerische, das Emotionale – nicht auf der Strecke bleibt.“

Michael Dangl spielt den Bankdirektor Dr. Julius Cerny. Dieser bezeichnet sich selbst als Visionär und möchte mit seinem verzweifelten Kunden viel lieber über die Bank der Zukunft sprechen, als über Finanzen. Und von welcher Zukunft träumt Dangl? „Wir sind gefangen in einer durch und durch vom Geld bestimmten Welt. Der Kapitalismus hat scheinbar einen Sieg über alles andere davongetragen. Im Theater arbeiten wir daran, dass das, was den Menschen wirklich aus macht – das Seelische, das Künstlerische, das Emotionale – nicht auf der Strecke bleibt und hoffentlich mehr von der künftigen Welt bestimmt.“

Ein heilsames Buch gegen die Sehnsucht

Der monatelange Lockdown war nicht nur aus beruflichen Gründen schwierig für den Schauspieler. Dangl ist mit der Flötistin Maria Fedotova verheiratet, die in St. Petersburg arbeitet und dort auch mit der gemeinsamen Tochter lebt. Das Pendeln, eine Selbstverständlichkeit, war mit einem Schlag nicht mehr möglich. Ein halbes Jahr war die Familie getrennt. „Ich habe die Sehnsucht in einen Brief an meine Tochter verpackt. Er ist länger geworden als gedacht und erschien als Buch. Das war eine heilsame Beschäftigung“, sagt der Schauspieler, der bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht hat. „Anfisa, zu Dir – Brief an meine Tochter“ kam Ende Juli heraus und enthält Illustrationen und Malereien seiner Tochter.

„Die Liebe Geld
Die neue Komödie von Daniel Glattauer hatte am 24. September in den Kammerspielen der Josefstadt Premiere. Das Buch ist am 21. September erschienen.
Weitere Informationen und Karten: josefstadt.org

Anfisa, zu Dir – Brief an meine Tochter
mit Illustrationen von Anfisa Margarita Dangl
Amalthea Signum, Wien 2020