Ein Stück in einer Minute: Jedermann von Hugo von Hofmannsthal

Durch seine alljährliche Aufführung bei den Salzburger Festspielen wurde Hofmannsthals „Jedermann" zu einem der bekanntesten Stücke des Theaterkanons. Doch worum geht es überhaupt?

von Redaktion, 16. Juli 2021

Ein Stück in einer Minute: Jedermann von Hugo von Hofmannsthal
Bei den diesjährigen Salzburger Festspielen: Edith Clever als Tod und Lars Eidinger als Jedermann. Foto: Matthias Horn

Seit 1920 wird das von Hugo von Hofmannsthal geschriebene Theaterstück „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ bei den jährlich stattfindenden Salzburger Festspielen aufgeführt und gilt als Highlight des Theatersommers. In diesem Jahr ist Lars Eidinger in der Titelrolle zu sehen. Die Buhlschaft spielt Verena Altenberger.

Foto: Matthias Horn

Inhalt

Gott ist über die Verdorbenheit der Menschen alles andere als erfreut und bittet deshalb den Tod darum, den reichen Jedermann zu ihm zu bringen, der gerade dabei ist, einen Lustgarten errichten zu lassen. Auch wenn er es gerne verleugnen würde, beschleicht ihn immer wieder das Gefühl, dass ihm der Tod dicht auf den Fersen sei. Die Buhlschaft versucht ihn immer wieder auf andere Gedanken zu bringen. Inmitten einer fröhlichen Feier tritt plötzlich der Tod auf und teilt ihm mit, dass er den Auftrag hat, ihn vor Gottes Gericht zu führen. All seine Freunde fliehen, weil sie fürchten, dass Jedermann sie mit in den Tod nehmen könnte.

In Gestalt einer alten, gebrechlichen Frau erscheinen plötzlich Jedermanns Werke, seine guten Taten, um die er sich kaum gekümmert hat. Jedermann fleht die Werke an, ihm zu helfen. Doch sie sind zu schwach, er solle sich lieber an ihre Schwester Glaube wenden. Diese weist Jedermann nun auf die unendliche Liebe Gottes hin und rät ihm, den Herrn um Gnade zu bitten. Mit der Hilfe eines Mönchs versucht sich Jedermann schließlich von seiner Schuld reinzuwaschen. Doch dann erscheint der Teufel, um die schuldbeladene Seele Jedermanns an sich zu reißen. Doch Gottes Gnade ist stärker und Jedermann entkommt dem Ritt in die Hölle. Gemeinsam mit Glaube und den guten Werken schreitet er schließlich auf sein Grab zu.

Foto: Matthias Horn

Uraufführung

Uraufgeführt wurde das Stück allerdings nicht bei den Salzburger Festspielen, sondern im Berliner Zirkus Schumann unter der Regie von Max Reinhardt. Das Bühnenbild der Uraufführung entwarf Ernst Stern. Als 1920 das Stück erstmals in Salzburg gezeigt wurde, führte Reinhardt ebenfalls Regie.

Vorbilder

Das englische Mysterienspiel „Everyman. A Morality Play“, gedruckt in London im zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts, diente Hugo von Hofmannsthal als Vorlage. Er übernahm aber auch Elemente aus dem Stück „Vom sterbend reichen Menschen, Hekastus genannt“ von Hans Sachs. Als wichtigstes Charakteristikum des Mysterienspiels gilt, dass keine Individuen, sondern Personifikationen (Glaube, Tod, Geld etc.) auftreten.

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